‚Rites of Passage‘ – Nairobi

Hallo Leute, wir sind jetzt wieder zurück in Mekenene nachdem wir für zwei Wochen in Nairobi waren und bei dem ‚Rites of Passage‘ Programm mitgearbeitet haben.
Das Rites of Passage Programm lief jetzt für zwei Wochen an der Laizer Hill Academy (in der einer kleineren Satdt direkt neben Nairobi) die uns sehr an so ein Schulwohnheim in welches man normalerweise Klassenfahrten macht, erinnert hat. Das Gelände war riesig, sehr gut gepflegt, es gab mehrere Sportplätze und sogar ein Schwimmbecken. Das alles erklärt sich jedoch dadurch, dass es sich hierbei um eine Privatschule handelte,  für die man dann dementsprechend viel Geld bezahlt,  was auch die Unterschiede zu der ‚Onsando Girls Academy‘ erklärt,  da diese staatlich ist. Das Programm unterscheidet sich insofern von dem ‚Alternativ Rites of Passage“, dass hier beschnitten wird, aber nur die Jungs! Anscheinend ist die Beschneidung für Jungs im Alter von ca. 8-16 hier in Kenia kulturell ein Muss, wobei dies auch nicht von einer Religionsangehörigkeit abhängig ist. Diese Beschneidung markiert den Umbruch von Junge zu Mann. Innerhalb des Programmes wird die Beschneidung jedoch klinisch steril durchgeführt und konstant beobachtet, was eine deutliche Verbesserung zu der traditionellen Beschneidung zu Hause oder im Freien markiert, wo es auch öfter mal Todesopfer gab. Das Problem mit dem Programm hierbei ist jedoch, dass die Leute die die Beschneidung noch so ausüben keinen wirklichen Zugang zum Programm haben, da es mit ca. 150 € kosten, für die einfache Landbevölkerung dann doch etwas zu teuer ist. Aber generell ist das Programm offen für Mädchen und Jungs, wobei die Mädchen 3 Tage später dazugekommen sind, als die Beschneidung und der Heilungsprozess der Jungen schon einigermaßen abgeschlossen war. Normalerweise wäre so eine Vernischung der Geschlechter hier in Kenia undenkbar, aber da die Jungs an betimmter Stelle dann doch sehr eingeschränkt waren und deshalb nichts befürchtet werden musste,  konnte man für dieses Programm eine Ausnahme machen.
Dieses Jahr haben ungefähr 34 Jungen und 10 Mädchen teilgenommen. Diese wurden dann für ein und halb Wochen Unterrichtet in Themen die besonders wichtig für das Erwachsenwerden sind … das war dann der nach unserer Meinung sinvolle Teil, da wir kein sehr großes Verständnis für eine Bescheinigung habebt (angeblich steht in der Bibel, dass Jungs Beschnitten werden müssen). So haben wir und viele andere Lehrer den Kindern dann etwas mithilfe von Power Point Präsentationen und Slideshows beigebracht. Die Themen für diese Unterrichtseinheiten haben wir zum Großteil als sehr sinnvoll erachtet, da es Themen wie Etikett,  Geld, Patriotismus, Drogen, Das Erwachsenwerden, Körperliche Veränderungen,  Politik und Menschenrechte, Selbstvertrauen und viele weitere waren. Da Turning Point,  die NGO die dieses Programm leitet, jedoch eine adventistische Organisation ist, war auch sehr viel über Christian Beliefs dabei, was für uns im Anbetracht der anderen sehr wichtigen Themen als nicht ganz so gewinnbringend angesehen wurde, da es von der Quantität in keinem Verhältnis stand und es das Programm durch diese christliche Prägung für Nicht- oder Andersgläubige Menschen verschlossen hat. Ansich war das Programm aber ganz locker, da es täglich mehrere Essenspausen gab und Nachmittags meistens noch Fußball auf dem riesen Gelände gespielt werden konnte.
Unser Anteil an dem Programm waren Stunden über Deutschland und unsere Kultur mit einer Hinleitung auf eine weitere Stunde von uns über Weltoffenheit und dem Reisen mit dem Ziel den Kindern zu vermitteln, dass die Welt offen für sie ist und wie wichtig es ist über den eigenen Tellerrand zu schauen. Unsere letzte Stunde ging dann über Politik, Demokratie und Menschenrechte.  Hierbei hatten wir das Ziel den Kindern zu vermitteln, dass Politik nichts abstraktes sein muss und wie sie daran teilhaben können, aber auch müssen. Und ich glaube der Ziel des Lehrens der Menschenrechte ist dann auch sehr offensichtlich 😉 In den Pausen haben wir dann immer gerne ein paar Spiele mit den Kindern gespielt oder einfach mit ihnen Fußball gespielt oder etwas geplaudert. Uns war es sehr wichtig hierbei zu vermitteln, dass wir als Muzungus (Weiße) genau wie sie sind, da mache hier dann doch noch einige Vorurteile haben, die aber ift einfach auf Unwissenheit basieren. Aber all das hat uns super viel Spaß gemacht, vor allem auch weil die Kinder sehr interessiert waren und auch immer viele Fragen gestellt haben und teilweise fast besser englisch sprechen konnten als wir. Hier wurde der Unterschied zwischen den Kindern vom Land aus Kisii, die normalerweise viele Probleme mit der englischen Sprache haben und sehr schüchtern sind, und den Kindern aus der Großstadt Nairobi die auch zun Großteil aus etwas wohlhabenderen Familien kommen und fast perfektes Englisch sprechen, sehr kommunikativ und offen sind und oft auch schon selber mal in Amerika oder Europa waren, deutlich. Das hat es uns sehr erleichtert mit den Kindern auch über komplexere Themen wie z.B politische Systeme zu reden. Dies war für uns auch wieder sehr sinnbildlich für eine gespaltene Gesellschaft in welcher eine riesen Kluft zwischen Arm und Reich vorzufinden ist. Aber auch genau deshalb war es für uns sehr interessant an dem Programm mitzuarbeiten und wir konnten so viel lernen in unseren zwei Wochen in Nairobi.

Bis zum fünften Januar werden wir jetzt reisen. Außerdem haben wir ein Visun für Tansania beantragt und auch bekommen für eine geplante Reise Ende Januar,  aber darüber wann anders mehr.
Zudem würden wir euch gerne darauf hinweisen,  dass wir einen Zeitungsartikel für den Griesheimer Anzeiger geschrieben haben, der voraussichtlich in der Weihnachtsausgabe veröffentlicht werden soll, also mal nachgucken! 🙂 In dem Sinne wünschen wir allen eine Frohe Weihnachtszeit.

(Bilder werden nachträglich noch eingefügt)

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Alternative Rites of Passage

Hallo ihr Lieben,

die eineinhalb Monate langen Ferien haben hier zwar angefangen, aber bevor wir uns auf kenianische Weihnachten und tolle Pläne einstellen arbeiten wir jetzt noch für knapp 2 1/2 Wochen in einem Projekt mit, dass von PendaKenia e.V. unterstützt wird. Praktisch heißt das, dass wir die letzten drei Tage noch einmal in der Schule waren, um dort die Alternative Rights of Passage durchzuführen. Was ist das? Ein Mentoring Programm für Mädchen zwischen 10-18, dass sie vor der weiblichen und sehr grausamen Beschneidung schützen soll und in dem über Selbstbewusstsein, Aufwachsen, Verantwortung, Beziehungen etc. aufgeklärt wird. Dazu kam noch die 28 Einheiten Lehre des Christlichen Glaubens, die uns dann neben den knapp 10 Gebeten am Tag doch zu viel wurden und die wir dann oft draußen in der Sonne mit wunderschönem Blick bevorzugt verbrachten.

Tatsächlich zeigte das Programm schon nach dem ersten Tag seine Wirkung. Mädchen aus der ländlichen Gegend aus der wir kommen sind oft sehr schüchtern, weniger wertgeschätzt als Jungen und kommen auch nur sehr schwer aus dem Dorf raus und sammeln so seltenst Erfahrungen, wie man z.B.in Städten seine Ellbogen ausfährt (und die brauch man hier wirklich!). Sehr eingeschüchterte Mädchen, die sich mit gesenktem Kopf und leiser Stimme am ersten Tag vorstellten konnten während der drei Tage schnell Selbstbewusstsein sammeln, weil ihnen das Programm ihren Wert, ihre Möglichkeiten  und die Macht oder Auswirkungen ihrer Entscheidungen darlegte. Das war sehr schön anzuschauen und hat wahrscheinlich mit am meisten Spaß gemacht. Am Ende des dann doch sehr kurzen Programms standen dann knapp 20 aufgeschlossene selbstbewusste und kichernde Mädchen vor uns.

Prinzipiell war aber das Programm auch für uns zwei einen guten Einblick in eine Mentalität, die man hier nicht erkennt, weil über sie nicht gesprochen wurde…so mussten uns Florence und ihr Team an manchen Abenden auch noch einmal mehr über bestimmte Themen aufklären. Zu solchen Themen gehörte neben der grausamen Beschneidung mit der wir uns vorher schon ein wenig auseinander gesetzt hatten z.B. die noch in den Köpfen verharrende Männerdominierende Situation oder auch, dass z.B. über Sex hier gar nicht aufgeklärt wird, weil es einfach ein Thema ist das – nicht überall, aber in bestimmten Gesellschaftsschichten und mehr auf dem Land – tabuisiert wird…was zu vielen ungewollten Schwangerschaften führt, weil es nicht besser gewusst wurde.

Wir konnten unseren Beitrag zu dem Programm leisten in dem wir in den Pausen Spiele wie Reise nach Jersualem, Obstsalat, Kettenfangen durchführen konnten. Außerdem hielten wir eine Klasse über Deutschland und Europa und Kultur ab, hauptsächlich mit dem Ziel den Mädchen zu zeigen, dass sie unabhängig von ihrer Herkunft durch Bildung vieles erreichen können und nicht in ihrem Dorf „aufwachsen, heiraten, sterben“ müssen, wie Florence es immer beschreibt – auch die Rolle der Frau in Deutschland in Begleitung von Bildern einer deutschen Hochzeit kam zu sprechen.

Ein sehr interessanter Moment war für uns zwei, als ein Pastor und Iniator des Projekts darüber sprach, dass sich in dieser Gruppe ein Anwalt, ein Doktor UND die Frau des Gouverneurs befinden kann – und nicht dass die Mädchen Gouverneur selber werden könnten. Auch wenn dieses Programm „schlechte“ afrikanische Traditionen ins moderne Umwandeln möchte (sprich statt Beschneidung Mentoringunterricht für das Aufwachsen) sind wir dieses Wochenende doch sehr oft auf eine Lebensweise gestoßen, die wir mit unserer Prägung zu unflexible halten würden. So konnten wir den zwei anderen Lehrern des Programmes die mit uns in Florence Haus gewohnt haben deutlich das Erstaunen anmerken, wenn wir z.B. von nicht verheirateten Paaren, Homosexualität, die Rolle der Kirche in unserer Gesellschaft und auch dem gutem deutschem Bier als Teil einer sehr geschätzten Kultur erzählten und damit auf ihre Fragen antworteten. Dinge, die wir als Teil einer individuellen Entscheidung ansehen und vollkommen selbstverständlich hinnehmen, standen sehr im Kontrast zu dem traditionellen Familienbild und der so stark vertretenden Religion, was uns schon ein bisschen schwer fiel zu akzeptieren bzw. uns mit unserem total anderem Verständnis anzupassen.

Heute sind wir in Nairobi angekommen, um für die nächsten zwei Wochen an den Rites of Passage, also einem Mentoring Programm für Jungen teilzunehmen, was wir aber auch mit ein paar Stadterkundungen kombinieren wollen.

Dass wir mittlerweile auch zum beten für die Gruppe aufgefordert werden führt bei unserer Unbeholfenheit zumindest zu sehr viel Gelächter, z.B. werden Worte vergessen und unsere Anrede an Gott folgt dann auch nicht wirklich den Kriterien hier, so mussten wir schon manchmal losprusten oder uns sehr zusammen reißen. So versuchen wir mit Humor und Gelächter oder einem Plätzchen auf dem wunderschönen Schulgelände mit den Dingen zu beschäftigen die für uns sehr fremd sind und nehmen alles, was wir  ansonsten mitnehmen können, mit freudiger Dankbarkeit entgegen!

Demnächst kommen auch noch Bilder, also gerne nochmal vorbei schauen!

Hello,

while we officially are on vacation now we have spend a few weeks of our Holidays with a Project called Alternative Rights of Passage/ Rights of Passage that us supported by PendaKenia e.V.  Alternative Rights of Passage is a Project that tries to diminish the tradition of Female Genital Mutilation (FGM) / Female Circumcision, while sticking to the tradition of mentoring girls for a few days of their teenage years. Therefore, for the past three days a Group of three teachers – Florence, a psychologist and  a Pastor, as well as the two of us-have talked to a Group of around 20 girls about self esteem, growing up and making  choices. Jona and me had a class about Germany and Europe with the Topic that the world is theirs, talked about culture, the role of women and responsibility and filled the breaks with a few games that all of the girls enjoyed.

For us this past few days were a good possibility to get an insight into a part of the mentality that is not obvious such as how men dominated parts of the culture still are, that girls are not necessarily appreciated or that for example sex is a taboo to talk about and that many girls sometimes get pregnant just because they didn’t know. This year the Programm consisted of around 20 girls between the Age of 10-18. Most of the girls were insanely shy when they came and it was great to see the effects of the Programm: after stressing their  importance and a few bonding shoutouts all of them grew more confident so that at the end of the Programm 20 happy, giggling and well doing girls were graduated.

Sometimes the traditional view of Family or Society we faced during the past few weeks, as well as the intensive prayers or 28 Christian Topics were difficult for as to adapt to, but we did our best to laugh about our incapability for praying or to find different things for us to distract. We’re glad for all the possibilities we have here though and are looking Forward to another two weeks here in Nairobi, participating in a mentoring Programm for Boys while discovering parts of the City and then-we’re also really happy to discover unknown parts of Kenya during the rest of our vacation.

Greetings from Nairobi 🙂

Pictures will be posted soon!

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Freunde der Sonne // Friends of the sun

Eine fantastische Woche über welche Bilder mehr sagen als Worte – Besuch von Kisii Town mit der Besteigung von Manga Hill und einer super Zeit zu sechst hier in Mekenene mit Marktbesuch, Wandern, natürlich viel Essen und gemeinsamen Abenden.

A fantastic week, where pictures say more than words – A visit to Kisii Town and the climb of ‚Manga Hill‘ to a visit with six people to Mekenene, a tour trough the market, hiking, shared evenings and plenty of food.

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Ein paar Gedanken der letzten Wochen

Der heutigen Blogeintrag soll genutzt werden, um einmal all die Dinge, Fragen, Beobachtungen zu beschreiben, die uns in den letzten zwei Monaten aufgefallen sind und um deren Beschreibung wir uns bisher hier auf dem Blog erfolgreich gedrückt haben. Dabei handelt es sich um Gespräche, die wir beim Abendessen, mit anderen Freiwilligen oder im Lehrerzimmer führen und immer sehr genießen, die uns aber auch viele Dinge in Europa kritisch hinterfragen lassen. Dabei werden wir hierbei bestimmt nicht drum rumkommen uns auch politisch zu äußern – wir bitten jedoch darum, diesen Beitrag einfach nicht als allgemeingültig, sondern einfach als unsere Eindrücke der letzten paar Monate anzusehen, die eben zu diesen Fragen und Gedanken führten.

Konsum:
Man kommt hier gar nicht drumherum an unser Konsumverhalten in Europa zu denken. Das einfachste Beispiel hier ist zum Beispiel Essen. Das Essen, was man hier kaufen kann, kommt alles aus der Gegend und ist frisch. Alles, was an Lebensmitteln noch mehr Produktion bedarf bzw. importiert wird kann man im Supermarkt sehr teuer erstehen. Das heißt, dass der Supermarkt hier oft eher nur den etwas wohlhabenden Menschen zugänglich ist und von der breiten Masse eher etwas seltener benutzt wird, da der Markt deutlich billiger ist und meistens auch besser schmeckt. Dies gilt jedoch eher für unsere Region hier, da hier viel Landwirtschaft betrieben wird und das Land sehr reichhaltig ist. In Nairobi z.B. sieht das alles schon,wieder ganz anders aus. Hier zieht man dann auch wieder schnell einen Vergleich zu deutschen Supermärkte, in denen zu jedem Zeitpunkt, selbst im Winter, die exotischten Früchte zu kaufen sind und wir fleißig am konsumieren sind. Die Vorstellung, dass wir uns im Winter nur von eingelagerten Kartoffeln und saisonalen Lebensmitteln ernähren erscheint dabei sehr absurd, weil wohl keiner bereit wäre auf diese Vielfalt zu verzichten. Aber ausschlaggebend ist hierbei jedoch, dass wenn man in Deutschland billig essen will geht man zum Supermarkt und hier in Kenia geht man dann zum lokalen Markt. Diesen deutschen Trend müsste man nun versuchen zu unterbinden, da unsere billigen Lebensmittelpreise oft auch nur durch Massentierhaltung und Co. zustande kommen.
Dabei gewöhnt man sich hier schnell daran, dass man genau weiß woher Frucht, Gemüse und Fleisch kommt, während man in Europa keinerlei Ahnung davon hat. Fairer Konsum ist, nach unseren Einschätzungen, in Europa wesentlich schwerer und deutlich teurer.
Dass die Kleidung, die hier zu Massen auf den Märkten verkauft wird auch teilweise durch Kinderarbeit und unter schlechten Bedingungen aus Asiatischen Ländern stammt, ist dabei ohne Frage. Interessant ist dabei aber, dass es sich hierbei sehr oft um Kleidung aus der Altkleidersammlung z.B Europa und Amerika handelt, also von uns weggeschmissen Sachen – Wegwerfgesellschaft zu der wir neigen, Dinge die wir haben ohne sie zu schätzen. Schade ist hierbei, dass diese Kleidung vor allem auf Grund von sehr niedrigen Preisen die Märkte dominiert und die traditionelle Kleidung zumindest teilweise verdrängt hat. Auch bleibt die Wohltat, die wir uns einreden indem wir Kleidung „spenden“, aus, da diese hier kommerziell verkauft werden und wahrscheinlich irgendwelche Mittelmänner daran ein Vermögen verdienen.
Eine sehr ausgeprägte Eigenschaft von Kenianern ist Sauberkeit… und so werden Schuhe hier selbst bei Regenzeit und viel Schlamm so gut wie möglich sauber gemacht, um sie lange zu bewahren und womöglich weiterzugeben. Das was man hat schätzt man. Auch kommen wir uns hier manchmal seltsam vor, wenn wir mit unseren schlammbespritzten Turnschuhen hier rumlaufen, obwohl es für uns normal ist, oder fühlen uns sogar manchmal unhygienisch im Vergleichen, da wir nicht an so hohe Hygienevorschriften gewöhnt sind.
Das ganze führt zu Fragen, auf die wir keine Antworten haben, sie aber vielleicht in den nächsten Jahren finden werden. Wenn nicht so helfen sie uns trotzdem unser Leben in Europa kritischer zu hinterfragen. Welche Rolle spielen zum Beispiel EU Agrarhandelsabkommen oder Freihandelsabkommen überhaupt in unserer Art zu konsumieren und inwiefern hindern sie den afrikanischen Kontinent oder in unserem Beispiel Kenia fair am Handel teilzunehmen? Ist es uns überhaupt möglich nicht auf Kosten von anderen zu konsumieren, wenn unsere Handys, unsere Schokolade und unsere Kleidung auf Ausbeutung beruhen? Was bringt eine globalisierte Welt und Arbeitsteilung wenn am Ende nur der Verkäufer und Zwischenverkäufer im Westen profitiert?

Industrienation und Land des globalen Südens:
Wieder einmal eine Art Wechselwirkung über die wir hier nicht fundiert berichten können, nur Fetzen wissen und uns keine vollendete Meinung anmaßen. Zum einen fällt mir persönlich in dieser Hinsicht auf, wie wenig Kolonialismus bisher aufgearbeitet ist, wie wenig wir uns als Postkoloniales Land verstehen, wenn doch Kolonialismus so viele Strukturen und Traditionen hier aufgelöst hat. Warum, fragt man sich da zum Beispiel, wissen die wenigsten Deutschen von dem Völkermord an den Herero? Warum haben die Industriestaaten in allen Verhandlungen so viel mehr Macht? Warum sehen wir uns z.B. als Opfer der Flüchtlingskrise, wenn, sobald man sich mit dem Thema und der Geschichte beschäftigt, man sieht wie viel Teilnahme wir daran haben und hätten?

Dies bringt mich zum letzten Punkt: Kultur.
Ein zentraler Bestandteil kenianisches Kultur ist die kenianische Gastfreundschaft. Dabei wird gerne, herzlich und aufrichtig eingeladen, man freut sich einfach über zusammen verbrachte Zeit und ein geteiltes Essen. Die Menschen nehmen sich Zeit für solche Dinge und dieses soziale Zusammensein ist meinem Eindruck nach auch viel der persönlichen Zufriedenheit der Kenianer zuzuschreiben. Dabei ist es für uns in manchen Situationen schon seltsam, wenn einem z.B. Cola gebracht wird. Warum? Weil Cola kein Alltagsgetränk wie in Deutschland ist, Soda ist hier etwas Besonderes für besondere Anlässe … aber als Gastgeber freut man sich einfach wenn es dem Gast hier gut geht und er das Essen geniesst. Dagegen wirkt das deutsche Leben doch manchmal sehr verkorkst. Gerade die aktuelle Flüchtlingsdebatte ist vor diesem Hintergrund für uns und eigentlich allen Freiwilligen hier seltsam zu verfolgen. Wir haben so unglaublich viel und tun uns so schwer mit Geben, bzw. nehmen uns selten Zeit im geschäftigen Alltag zusammen zu essen, zu reden, zu singen und das Zusammensein zu geniessen. Warum sind Türen bei uns so oft verschlossen und wir so oft distanziert zu neuem?

Dabei tut es aber gut zu sehen, dass uns dieser Aufenthalt auch dazu bringt unser Leben in Deutschland oder Europa anders zu sehen und zu hinterfragen. Dass man natürlich einen gewissen Lebensstil hat und im Winter auch weiterhin Bananen, Ananas und Avocados essen wird ist wahrscheinlich so, dennoch wird es spannend sein bei unserer Rückkehr festzustellen wie sich unser Umgang mit solchen Themen verändert hat. Eins ist sicher: die Gastfreundschaft wird mit uns zurück nach Deutschland reisen.

Liebe Grüße aus dem regnerischen Mekenene!

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Von Alltag und zahlreichen Plänen

Also ja nach Kisumu war unsere letzte Woche + Wochenende dann doch eher weniger ereignisreich, vor allem weil wir  uns schon ganz gut in unseren Alltag hier eingelebt haben. Aber natürlich gibt es immer genug zu tun und langweilig wird es uns sicherlich nicht.
Die Entdeckung der Woche war, dass direkt 50 Meter neben unserem Haus bei Mama, eine Babykatze lebt, die wir auch schon öfter besucht haben, obwohl die Kenianer uns dafür wahrscheinlich für verrückt halten, da Tiere hier dann doch eher Nutztiere sind. Ich glaube als wir der Katze dann auch noch einen Namen geben wollten war es dann ganz vorbei mit dem Verständnis.
In der Schule läuft alles gut und mittlerweile ist auch das Vorbereiten der Klassen relativ routiniert. Nur gab es wieder einen Aufreger, da es in meiner Mathe Klasse (7) nach den letzten Examen (für die ich schon kaum Vorbereitungszeit hatte) hieß, dass der endgültige Test in zwei Wochen sei. Das war ja dann schön und gut, da ich in der letzten Woche dann im Schnellverfahren alle fehlenden Themen bearbeiten konnte und für diese Woche dann Wiederholung angesagt war. So der Plan, aber natürlich durfte ich dann letzten Freitag, nachdem ich alle Themem so gut wie durch hatte, erfahren, dass heute (Montag) meine letzte Unterrichtsstunde sei, da Klasse 8 ihre Abschlussprüfungen haben und deshalb alle anderen Schüler nicht kommen dürfen. Ja super! Das war es dann wohl mit der Wiederholung. Das heißt ich wollte wenigstens meine Stunde heute noch nutzen, was dann leider in eher unpedagogischem Frontalunterricht geendet wäre, da niemand Fragen hatte (hier hat nie jemand Fragen und alle haben immer alles verstanden) und ich mit ihnen durch das Examen von letzter Woche gegangen bin. Zudem haben Sophia und Ich uns mit ihnen für nach dem Lunch verabredet (die Schüler gehen nach Hause für Lunch und kommen dann wieder), für weitere Wiederholungen in Englisch und Mathe, um dann um dann nach dem Lunch festzustellen, dass alle Schüler wegen Regen nicht mehr in die Schule kommen.
Außerdem haben wir jetzt erstmal zwei relativ lockere Wochen, da in beiden Schulen Examen geschrieben werden und deshalb kein normaler Unterricht stattfindet. Hierfür haben wir während des Wochenendes einige Bilder aus Deutschland und Europa zusammengestellt, um sie den Mädchen während ihrer Freizeit, wahrscheinlich nach den Examen, in einer kleinen Präsentation zu zeigen.
Außerdem ist geplant noch in dieser Woche die zwei Weltwärtsfreiwilligen aus Kisii Town in ihrem Projekt zu besuchen und dann dort auch für eine Nacht zu bleiben.
Außerdem haben wir schon einige Pläne für die nächste Zeit:
Am offiziellen Ferienanfang (20.11) werden uns wahrscheinlich 4-6 Weltwärtsfreiwillige, die wir in Kisumu kennengelernt haben, hier in Mekenene für ein paar Tage besuchen. Vom 29.11 – 2.12 werden wir bei den von Turning Point organisierten und von PendaKenia unterstützten ‚Alternative Rites of Passage‘, ein Programm gegen Beschneidung und das Lehren von life skills für das Erwachsenwerden für Mädchen im Alter von 13-18, teilnehmen und mitarbeiten. Danach werden wir für zwei Wochen nach Nairobi zu Florence gehen, um an dem vom gleichen Verein organisierten ‚Rites of Passage‘, ein Programm in dem Jungs bei der traditionellen Beschneidung begleitet werden und anschließend in Work Shops auf das Erwachsenwerden vorbereitet werden, mitzuarbeiten. Ab dem 24. Dezember bis Anfang Januar werden wir dann von einigen Mitgliedern aus PendaKenia (inklusive meiner Eltern und den Gründern von PendaKenia) besucht, mit denen wir dann auch etwas reisen werden. Zudem haben wir angefragt, ob wir an einem einwöchigen Seminar von der Weltwärtsorganisation Via, von der wir schon einige Leute kennnen, in Tanzania im Januar teilnehmen können, wobei wir jedoch noch keine Antwort erhalten haben. Und ein paar kleinere Reisen werden natürlich auch noch geplant … also ja wir halten uns beschäftigt 🙂

Since we have already found a daily work routine it gets tougher for us to find topics to write about, especially after our exciting weekendtrip to Kisumu. Our last two weeks therefore were mostly filled with school work… and yet another experience that there was no time for revision with the kids in Primary school for their exams since they were all being send home so that standart eight, the graduates, can take their exams. For us typically organized Germans it is always weird to be receiving these information on such a short note. However, our daily routine has lately been delighted after finding a baby cat at our neighbour’s house – a typical strange things for a white person to do since kenyans would not cuddle with pets or give them names.
The following week will be filled with exams and school break will follow afterwards for which we have already made some plans: this week we will visit two other volunteers to see their project, from the end of the month to mid december we will participate in a project of an organization supported by PendaKenia, called ‚Alternative Right of Passage‘ und ‚Rights of Passage‘.  This will be a great experience for us as the programm either deals with female circumcision or provides medical, safe male circumcision as well as with so called life skills that are taught to the kids. For that cause we will be staying in Nairobi for two weeks before some PendaKenia members from Germany will come to Kenya for travelling – we are looking forward to some of Kenyas most beautiful National Parks and are already planning some more journeys to the coast and some hiking trips. 🙂

Bilder werden meistens im Nachhinein eingefügt, also immer mal wieder nachgucken 🙂
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A weekend trip to Kisumu!

Donnerstag nach der Schule machten wir uns auf den Weg, um dieses Wochenende in Kisumu zu verbringen. Was wir damals noch nicht wussten: die normalerweise ca. Dreieinhalbstündige Fahrzeit hat sechs Stunden gedauert. Das Fahrzeug wurde die ganze Zeit angehalten, die Straßen waren schlecht, das Wetter auch. Schließlich erreichten wir gegen halbneun Kisumu – und unsere erste Motorbikefahrt stand uns bevor. Dem ganzen standen wir am Anfang kritisch gegenüber, da der kenianische Verkehr schon sehr verrückt ist, tatsächlich fühlten wir uns aber sehr sicher, hatten eine Menge Spaß und sind für nur 50 Cent an unserem Zielort angekommen. Dort trafen wir Charlotte und Greta, zwei Weltwärts Freiwillige, bei denen wir das Wochenende verbringen würden und die uns Kisumu zeigten – Kisumu, das bedeutet Kenias viertgrößte Stadt, gelegen am Lake Viktoria im Westen des Landes. Wir fühlten uns sofort super wohl mit den zwei und hatten viel geplant für das Wochenende.
Am Freitag hatten wir die Möglichkeit uns ihr Projekt anzuschauen. Für uns war das eine interessante Erfahrung, um unsere Arbeit und unser Projekt einschätzen zu können – im Vergleich hab wir z.B. sehr viel Eigenverantwortung und können uns viel einbringen, gleichzeitig kann man in zwölf Monaten die Arbeit und das Projekt viel besser kennen lernen und sich langsamer einleben und so viel langfristiger arbeiten. Der Freitag wurde  dann auch gleich noch dazu genutzt über den bunten Markt zu schlendern, dem schnellen Treiben zuzuschauen und sich an Stoffen und allerlei zu erfreuen.
Am Samstag ging es früh raus. Wir halfen bei der Dekoration eines Bootes für eine Halloweenparty an dem Abend auf die wir auch gehen wollten. Mit noch weiteren Freiwilligen schnitzen wir  Kürbisse, sprayten Tücher blutrot und pusteten Luftballons auf. Die Rückfahrt war genauso hektisch wie die Vorbereitung an dem Tag: auf dem Rücksitz eines Trucks an frischer Luft durch den kenianischen Verkehr.. in den Slum von Kisumu. Dort trafen wir uns in der Wohnung einer Freiwilligen, welche im Slum ein wenig fehl zu sein schien. Geschminkt und verkleidet und ein bisschen in zeitnot suchten wir ein Tuktuk, das uns zum Hafen bringen sollte.. vorbei an vielen Kenianern, die verdutzt 10 Muzungus mit blutigen Gesichtern anstarrten – eine sehr amüsante Erfahrung.  Zu ZEHNT quetschen wir uns in das Tuktuk jnd erreichten dann die Party – eine totale Muzunguparty. Die Gäste kamen entweder aus der kenianischen Oberschicht und waren unglaublich reich oder waren eben ‚westliche‘ NGO Arbeit oder Freiwillige.. die Situation war mitunter schon absurd – eine absolute Muzungupart. Auf jeden Fall kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus: schließlich befanden wir uns in Kenya in Kisumu auf einer Bootsparty auf dem Lake Victoria und fuhren dem Sonnnenuntergang entgegen – mit kenianischem Bier, guten Gesprächen und interessanten Menschen konnte der Abend gar nicht besser werden!
Müde am Sonntag trafen wir uns mit den Freiwilligen,  die mit uns zurück nach Kisii fahren wollten und aßen einen letzten Fisch – diese sind in Kisumu super super lecker!
Insgesamt war es ein total tolles Wochenende über das wir später noch einmal Geschichten erzählen werden. Wir haben uns super mit den Mitfreiwillgen verstanden und planen jetzt auch schon weitere Ausflüge und kleine Reisen. Es war super spannend für uns unser kleines Mekenene mal zu verlassen und uns mehr das Stadtleben anzugucken. Während viele in Mekenene noch nie einen weißen gesehen zu haben konnten wir in Kisumu dieses Wochenende sehr viele kennen lernen, gleichzeitig war die Stadt sehr hektisch und anonym und ein großer Kontrast zum ruhigem,  idyllischem und familiarem Mekenene. Im November kommen uns  vorraussichtlich fünf Freiwillige hier besuchen, damit wir ihnen auch mal unser Leben hier zeigen können und wir sind uns sicher, dass dieses Wochenende auch nicht das letzte in Kisumu war.

This Thursday we went to Kisumu, the 4th biggest town in Kenya, right next to the Lake Victoria in the west of the country. A drive to Kisumu could be managed in around 3-4 hours, but we were really unlucky so it took us 6 hours. In Kisumu we visited two other German volunteers who are part of another ngo and stayed at their flat. We got along really good and had many nice conversations with them,  especially when they introduced us to their project on Friday. Afterwards we visited the city and its market and even had some fish, for which Kisumu is very well known. It was so delicious!  The next day we started early and helped to decorate a boat for the Halloween Party that we would attend at night. So we carved pumpkins and painted some sheets, but mostly we just enjoyed the view on the lake from the boat. So then we attended the party together with many other „Mzungus“, but also some Kenyans. It really was a fantastic and memorable experience, since we could enjoy the atmosphere on a boat and a beautiful sunset altogether. On Sunday we did some groceries with some of the other volunteer workers from Germany and enjoyed one last fish. Also we made many plans together with them for future trips and even invited them to come to Mekenene next month. We are pretty sure this was not our last trip to Kisumu!

P.S. Bei Beiträgen ohne Bilder werde ich immer im nachinein noch versuchen welche einzufügen. Also immer mal wieder nachguckem 🙂

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Mein Alltag als Lehrer – Jona

Ja also wie schon bereits erwähnt ist es echt ein seltsames, aber auch sehr interessantes Gefühl von einem Schüler zu einem Lehrer innerhalb von ein paar wenigen Monaten zu werden. Ich wünschte ich könnte mit meinen, in meiner bisher einmonatigen Lehrerkarriere, gewonnenen Erfahrungen nochmals zurück in die Schule als Schüler gehen, denn jetzt würde ich meine Lehrer so viel besser verstehen. Es ist schon lustig jetzt die Person zu sein, die sich darüber aufregt, wenn ein Schüler zum fünften mal hintereinander den gleichen Grammatikfehler macht, obwohl man das bereits zum dritten mal erklärt hat, oder der zu sein, der in ewiger Eintönigkeit in 37 Arbeitsheften die Hausaufgaben nachgucken und korrigieren darf, nur um teilweise festzustellen, dass 70% es anscheinend falsch verstanden haben, 20% es gar nicht erst gemacht haben und vielleicht 10% es einigermaßen zufriedenstellend erledigt haben.

Aber ja ich will ja mal von Anfang an beschreiben. Also mittlerweile unterrichte ich die 9. Klasse an der Secondary School in Englisch (insgesamt 6 mal 40 Minuten in der Woche), die 9., 10. und 11. Klasse der Secondary School in Sport (jeweils 1 mal 40 Minuten) und die 7. Klasse der Primary School in Mathe ( 7 mal 35 Minuten in der Woche). Außerdem helfe ich mit Sophia, wenn wir nicht gerade mit dem Vorbereiten der Stunden oder dem Korrigieren von Hausaufgaben beschäftigt sind, in der Special Needs Unit der Primary School aus.

Hierbei macht mir bisher das Unterrichten von Mathe in der 7. Klasse am meisten Spaß, denn dort habe ich das Gefühl, dass die Kinder auch wirklich etwas lernen wollen. Vor mir hatte die Klasse nämlich leider für längere Zeit keinen Lehrer, da der vorherige verstorben ist, und war deswegen auch sehr froh wieder Unterricht zu haben. Auch die Schulleiterin kann bis Heute kaum damit aufhören mich mit Dank dafür zu überschütten, aber mit ihr kommen wir sowieso sehr gut zu recht … ich glaube ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so viel lacht und immer so fröhlich zu sein scheint. Mittlerweile zählen wir auch schon zu ihren “children“, was auch immer ganz lustig ist. Aber ja das Unterrichten in Mathe läuft mittlerweile sehr gut, war aber am Anfang etwas schwerer, da ich mich jetzt auch nicht mehr ganz so an den Unterrichtsinhalt einer 7. Klasse erinnert habe und deswegen selber erstmal einiges nachlernen durfte, vor allem auch weil hier Taschenrechner strengstens verboten zu seien scheinen und ich mich (das muss ich ehrlich gestehen) dann doch schon sehr an diese etwas einfachere Methode des Rechnens gewöhnt habe. Aber selbst jetzt sind die meisten meiner Schüler wahrscheinlich noch deutlich besser im schriftlichen Multiplizieren und Dividieren, aber zum Glück bin ich ja der Lehrer und darf meine netten Schüler an der Tafel vorrechnen lassen. Die schwereren Aufgaben kann ich dann jedoch etwas besser erklären … aber so soll das ja auch sein :). Das mit dem Unterrichten ist ansonsten relativ einfach, da hier an beiden Schulen sehr nahe am Lehrbuch unterrichtet wird und ich deswegen einfach die Beispielaufgaben und die Informationskästchen erkären kann und dann zusammen mit den Schülern durch die Übungsaufgaben gehen kann. Dann kam jedoch erstmal der Schock, denn heute wurden hier Examen geschrieben, wo der Unterrichtsinhalt des ganzen Jahres dran kommt (hier endet das Schuljahr im November) und von diesem Examen habe ich genau vier Unterrichtsstunden vorher erfahren mit dem Satz ich solle ja mal Anfangen zu wiederholen. Ja super … es haben noch ganze 4 Units/ Themen im Buch gefehlt (eine braucht ca. 2 Wochen um unterrichtet zu werden). Die letzten Tage habe ich dann für eine Powerwiederholung genutzt, aber wirklich ausreichend war das nicht und die vier fehlenden Units konnte ich jetzt auch nicht mehr nachholen. Dazu kommt noch, dass ich einmal einfach vor einer halben Klasse unterrichtet habe, da der Rest nach Hause geschickt wurde um Geld für die Examen aufzutreiben. So scheint es mir auch kein Wunder zu sein, dass hier die Resultate der Examen nicht immer ganz so gut ausfallen. Aber nichtsdestotrotz hoffe ich auf das Beste und werde mir Mühe geben so viel wie möglich noch zu Unterrichten, da am 18. November nochmals Examen anstehen, welche dann mit den heutigen Examen verrechnet werden.

An der Secondary School läuft dann alles schon etwas geordneter ab, da genügend Lehrer vorhanden sind und auch die Schule etwas ressourcenreicher aufgestellt ist. Aber auch hier hinkt man dem Lehrplan auf Grund des einmonatigem Streiks im September gnadenlos hinterher. Die Mädchen scheint das jedoch relativ wenig zu interessieren. Viele von ihnen scheinen ihre Zeit hier in der Schule einfach absitzen zu wollen nach dem Motto „Wofür Schule? Ich finde schon einen Ehemann der für mich sorgen wird.“ Aber ja auch auf Grund dessen versuchen wir als Lehrer den Schülerinnen die Wichtigkeit von Bildung klar zu machen, was aber oftmals auch sehr frustrierend sein kann. Aber dennoch es sind nicht alle so wie oben beschrieben. Manche machen auch echt super mit und mit denen macht es auch Spaß zu arbeiten. Zum Beispiel hatte ich letzte Woche das Thema „Shape Poems“ und habe daraus, um die Mädchen etwas zu motivieren, einen Wettbewerb gemacht mit der Ankündigung, dass die besten 3 eine kleine Belohnung erhalten werden. Auf einmal hat auch wirklich jeder die Hausaufgaben gemacht und manche der Gedichte waren auch echt gut und kreativ. Etwas erschreckt mich hier jedoch der Wissenstand der Mädchen in Englisch, da hier laut Gesetz alle Fächer in Englisch ab der 5. Klasse unterrichtet werden müssen (alle außer Kisuaheli). Daher war ich anfangs davon ausgegangen, dass die Mädchen wirklich fit in Englisch sein müssten, aber darin habe ich mich wohl etwas geirrt. Viele haben sogar noch Probleme mit einfachen Sachen wie mit dem Bilden von einfachen Simple Past und Simple Present Sätzen. Weiterführende fragen wie Interpretationen oder Analysen können hierbei kaum bis gar nicht bewältigt werden. Aber dennoch es ist auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Ich hätte mir niemals im Leben träumen lassen, dass ich irgendwann mal nach Kenia gehe und dann dort Englisch unterrichte. Englisch eine Sprache die mir früher selber so fremd war.

Sport macht mir im Moment nicht ganz so viel Spaß, da es für mich nicht so einfach ist alle Schülerinnen zu motivieren und mit diesen zu kommunizieren, da englische Erklärungen oftmals nicht so gut verstanden werden. Wenn man dann aber mal angefangen hat Fußball, Handball oder auch Netball (ähnlich wie Volleyball) zu spielen, macht es oftmals auch viel Spaß, vor allem weil ich es mir nicht nehmen lassen kann auch mal mitzuspielen. Ich muss ihnen ja schließlich auch mal zeigen wie man in Europa so Fußball spielt.

Die Arbeit in der „Special Needs Unit“, die eigentlich nicht als Arbeit bezeichnet werden kann, macht jedoch viel Spaß. Im Moment sind 4 Lehrer hierfür zuständig, wobei nicht immer alle da sind. Mit den Lehrern verstehen wir uns super und mit ihnen haben wir auch immer viel Spaß. Auch die Kinder sind wirklich süß und es macht viel Spaß mit ihnen Zeit zu verbringen. Für uns scheint es so als ob dort wirklich super Arbeit geleistet wird, um den Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. Auch die Spenden, die wir von Freunden und Familie gesammelt haben sind super angekommen. Die Lehrer und vor allem auch die Schüler waren so glücklich, da diese Unit bisher leider nicht so gut ausgestattet war. Im Moment sind wir fleißig am fotografieren, also werden noch einige Bilder von den Kindern mit den Spenden folgen. Erschreckend sind hier dann nur manchmal die Geschichten die man zu hören bekommt. Zum Beispiel ist eine der Schülerinnen schon zweifache Mutter, da sie bereits zweimal auf dem Schulweg vergewaltigt wurde und so etwas passiert dann auch noch denen, die kaum selber für sich sorgen können, geschweige denn Kinder aufziehen können. So etwas kann einen dann doch sehr schocken und mitnehmen. Wir können hier nur versuchen die Kinder durch kleine Gesten aufzuheitern.

Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass es eine wirklich interessante Erfahrung ist und das ich wirklich dankbar dafür bin all das Erleben zu dürfen. Ich wurde von den Mädchen auch schon ganz ungläubig angeguckt, als ich erzählt habe, dass ich hier alles auf freiwilliger (also unbezahlter) Basis mache. Es war jedoch schwer ihnen zur erklären, dass oftmals im Leben eine gemachte Erfahrung, oder erworbenes Wissen viel wertvoller als ein bisschen Geld sein kann. Und ich deswegen freue ich mich auch schon auf die kommenden Monate und wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich definitiv sehr viel reicher an Erfahrungen sein.

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