Unsere Rückkehr nach Deutschland…

Jetzt sind wir schon ca. 20 Tage in Deutschland und wollten noch einmal über unsere Eindrücke berichten und diejenigen Dinge darstellen, die uns heute bewegen.

Als erstes: Wir verließen den Flughafen bei eisigem Wetter und Nieselregel, was – obwohl man sich darauf eingestellt hat – nach dem warmen Kenia doch ein Schock war. Vor allem, weil auch die Laune so sehr an Sonnenschein mit angenehmen Wind gewohnt war. Auch über den „Vorsicht Rutschgefahr“ Aufkleber im Bus am Flughafen mussten wir erst mal staunen und darüber, dass es für alles Sicherheitshinweise und Vorschriften gibt.  Dazu kam noch ein weiterer Eindruck, den ich vorher nicht so wahrgenommen hatte: dunkles Wetter, dunkle Kleidung. Im Vergleich zu der traditionell bunten Kleidung Kenias zeigt Deutschland sich als Trauerhaufen, tatsächlich beeilt sich jeder nur so schnell wie möglich ins Warme zu kommen, während man in Kenia bei jeder Begegnung stehen bleibt um sich zu unterhalten, auch auf Straßen, die wenig belebt sind ist ein Gruß hier nicht sicher.  Interessant ist, das man viele dieser Dinge ohne Auslandsaufenthalt nicht hinterfragt hätte, jetzt tatsächlich aber manchmal stutzig stehen bleibt und wir darin den unglaublichen Wert unser sechs Monate erahnen können.

Dazu kommt z.B. die Problematik z.B. Gleichaltrigen unsere Erfahrungen verständlich zu machen. Wie schon in vielen Blogposts vorher beschrieben führt ein Auslandsaufenthalt wie unserer dazu, dass man sich zwangsläufig mit Konsum, Entwicklungszusammenarbeit, Kolonialismus u.ä. beschäftigt und Werte bzw. Perspektiven erlangt, die in unserem Umfeld manchmal keine Bedeutung haben. Außerdem müssen wir uns auch jetzt damit beschäftigen, wie wir unsere Erfahrungen auch weiterhin in Deutschland, z.B. durch Engagement für unseren Verein pendaKenia, nutzen. Feststellen konnten wir auch, dass wir alltägliche Kleinigkeiten und Dinge, über die man sich vorher vielleicht geärgert hätte jetzt weniger Bedeutung beimessen, flexibler auf Situationen reagieren kann und viele Situationen einfach mit der kenianischen Leichtigkeit nehmen kann bzw. vieles als „First-World-Problems“ einfach abtun kann. Auch mehr Abenteuerlust auf verrückte Reiseziele und manchmal auch das Positionieren weg vom politischen Mainstream können wir an uns selber feststellen: Bei medialen Berichten über „Afrika“ und bei Spendenaufrufen hinterfragen wir viel mehr alle Positionen und Perspektiven und schütteln auch oft genug den Kopf. So ist Kenia für uns kein Entwicklungsland, dass von Korruption und Armut betroffen ist, sondern ein Land, welches geprägt ist durch bunte Märkte, Gastfreundschaft, einen bestimmten Lebensstil und eben auch ein Land, in dem wir uns so gut wie zu Hause fühlen könne und Menschen, zu denen wir immer zurück kehren können.

Gleichzeitig war und ist es aber eine Freude an einem vollen Frühstückstisch zu sitzen und nach langer Zeit die vermissten Lebensmittel – vor allem die Milchprodukte – zu genießen. Dabei kann man aber teilweise von den schieren Massen an Essen erschlagen werden; an gut gefüllte Kühlschränke, der Essensvielfalt – importiert aus jedem erdenklichen Land der Welt oder dem vielen Fleischkonsum muss man sich dann doch erst gewöhnen oder aber unsere Haltung überdenken. Dabei fällt mir immer noch oft auf, dass man hier gar nicht weiß woher sein Essen kommt und was in den Fertigprodukten alles drin ist und auch das Essen wird weniger bewusst konsumiert, ich würde fast so weit gehen und sagen, dass es weniger geschätzt wird. So ist die Masse an Essen leider schnell auch wieder selbstverständlich geworden und wir erinnern uns im Bezug auf unser Handeln oft auch an Kenia, um es in Relation setzen zu können. Auch bei Autobahnen die guten Straßen zu bestaunen und vor allem nicht mehr „Der Weiße“/“Der Europäer“ zu sein, sondern ein gewisses Maß an Anonymität zu genießen wird wohl ein bleibender Eindruck sein; wobei wir uns durch unsere sechs Monate in Kenia auch bewusst geworden sind, dass auch hier in Deutschland Menschen als „Flüchtlinge“, als „Migranten“, als „Dunkelhäutige“ tituliert werden und einen besseren Blick für die damit verbundene Diskriminierung erhalten durften.

Durch Kenia konnten wir viele verschiedenen Perspektiven erhalten ohne die wir ganz anders durch die Welt laufen würden – oft ist das ein Vorteil für uns, manchmal denkt man aber auch einfach ganz anders. Nach so kurzer Zeit ist es uns dennoch nicht möglich unseren ganzen Aufenthalt in den richtigen Kontext zu setzen und die Zeit wird noch zeigen, wie genau wir mit unserer Erfahrung umgehen werden. Für uns beginnt jetzt erst mal ein vier Monatiges Praktikum bei Freudenberg (Jona) und ein Umzug und Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg (Sophia). Wesentlich eigenständiger können wir uns auf all unsere Pläne einlassen, wesentlich besser Probleme lösen und auch das Selbstbewusstsein Kenia so gut geschafft zu haben lässt jede zukünftige Hausarbeit ziemlich klein erscheinen. Mit viel Optimismus blicken wir deshalb in unsere Zukunft und wissen aber auch, dass Kenia sicher nicht unser letzte Besuch auf diesem wunderbarem Kontinent war.

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