Viele neue Denkanstöße …

Hi Leute, wir leben noch und haben unsere Reise mit vielen tollen Erfahrungen und Eindrücken beendet. Eins ist sicher: es hat sich auf jeden Fall gelohnt!
Los ging es vor knapp 3 Wochen mit einer ungefähr 25 stündigen Busfahrt nach Dar Es Salam (DAR). Ausgerüstet mit Jacken und Decken verließen wir das kühle verregnete Kisii um uns dann im 35 Grad heißen Dar Es Salam mit absolut unpassender Kleidung wiederzufinden – aber naja man hätte es sich ja eigentlich denken können, da DAR ca. 2000 Meter tiefer liegt und direkt am Indischen Ozean ist.
Der eigentliche Sinn unsere Reise war die Teilnahme an dem Mittelseminar der Weltwärtsorganisation Via aus Deutschland, über die wir durch die anderen Freiwilligen hier in der Gegend in Kontakt gekommen sind. Eine Weltwärtsorganisation ist eine Organisation die am Weltwärtsprogramm teilnimmt, welches durch das BMZ (Bundesministerium für Entwicklung und Wirtschaftliche Zusammenarbeit) finanziert wird und 2007 durch die SPD ins Leben gerufen wurde. Es ist ein Programm, welches Jugendliche im Alter zwischen 18 und 28 bevorzugt in Länder des globalen Südens schickt mit dem Ziel des interkulturellen Austausches. Häufige Einsatzstellen sind hierbei bevorzugt Weisenhäuser, Schulen mit Menschen mit Behinderung und Umweltorganisationen. Also an sich sehr ähnlich mit dem was wir hier machen.
Das Seminar ging dann auch direkt los und war erstmal super spannend, da wir direkt viele neue Leute, die in ganz ähnlichen Situation ihre letzten 5 Monate verbracht hatten kennenlernten.  Insgesamt waren wir also ca. 16 Frewillige aus Kenia und Tansania. Und genau dieser Austausch von Erfahrungen, Herausforderungen und Gedankenanstößen stand im Vordergrund des Seminars. Geleitet wurde das Seminar von zwei sehr erfahrenen Deutschen, die auch schon seit mehreren Jahren in DAR wohnen und somit eine gute Idee von unseren Eindrücken hatten und uns außerdem über einige Kulturelle Verknüpfungen und Hintergründe aufklären konnten. Also wie schon erwähnt stand bei diesem Seminar der Austausch der Freiwilligen im Vordergrund,  weswegen  viel aus den jeweiligen Projekten erzählt wurde und jeder von den eigenen Schwierigkeiten, Erwartungen, aber auch Ideen die den anderen behilflich sein könnten wie z.B. Kinderspiele, berichtete. Zudem wurde es sich aber auch mit unserer Meinung nach besonders spannenden Themem befasst, wie die Entwicklungszusammenarbeit an sich.  Hierbei wurde die Sinnhaftigkeit hinterfragt und wenn sinnhaft, wie genau sollte die sogenannte „Zusammenarbeit“ denn Aussehen? Bringt es überhaupt etwas wenn die arroganten Menschen des „Westens“ nach Kenia bzw. Tansania kommen, ihre westlichen Werte propagieren und wirtschaftliche Abhängigkeit schaffen? Gab es das nicht schonmal unter dem Namen „Kolonialismus“? Hierbei wurde dann auch, was wir besonders schätzenswert fanden, über die Sinnhaftigkeit des Weltwärtsprogrammes an sich diskutiert: Ist es denn noch noch ein interkultureller Austausch, wenn deutsche Frewillige überall in die Welt gesendet werden, aber fast niemand die Möglichkeit hat nach Deutschland kommen kann? (Es gibt Platz für ca. 300 Freiwillige aus der ganzen Welt in Deutschland, aber ungefähr 4000-5000 Plätze für deutsche Freiwillige in der Welt). Und ist es überhaupt sinnvoll unausgebildete junge Leute in Projekte zu schicken, wo sie meinen alles besser zu wissen, aber eigentlich keine wirkliche praktische Ausbildung besitzen? Wie kann es sein, dass im Weltwärtsprogramm fast ausschließlich Abiturienten teilnehem, obwohl es zugänglich für jeden Deutschen mit irgendeiner Art von Schulabschluss ist? Aber ich glaube besonders über die Entwicklungszusammenarbeit und ihre Sinnhaftigkeit werden wir noch einen gesonderten Artikel schreiben. Genau das hat uns auch so sehr an dem Seminar gefallen, weil wirklich alles einmal kritisch hinterleuchtet wurde und auch die Ursachen von gewissen Problemen betrachtet wurden, die sehr oft auch auf uns in Europa zurückzuführen sind. Außerdem gab es eine Einheit mit dem Namen „Postkoloniale Grüße“, welche sich besonders mit dem Schreiben von Blogs und Berichten jeglicher Art befasst hat, da man hierdurch oft auch ungewollt Clichés und Stereotypen verbreiten kann, ganz nach dem Motto: wer postet schon ein Bild von den hoch modernen Supermärkten, die es übrigens in hoher Zahl gibt und unseren in Deutschland auch teilweise überlegen sind … da posten Leutr doch lieber von den Dingen die sie besinders beschäftigt hat wie den Slums, oder den armen benachteiligten Kindern. Das ist auch ein großes Problem der NGOs, da sie auf Probleme aufmerksam machen wollen, was auch richtig ist, aber sich dadurch auch bei vielen Leuten, die vielleicht noch nicht so oft Europa verlassen haben, das Bild von Afrika als der Kontinent der Armut und der ewigen Wüste,  wo Menschen verhungern, manifestiert wird, obwohl es oftmals gar nichts mit der Realität zu tun hat. Hier hat man sich dann doch auch etwas Sorgen über seinen eigenen Blog gemacht und gehofft, dass man sich hier keinen allzu großen Vaux Pas geleistet hat. Ein weiteres Problem was hier oft aufgeworfwen wurde ist die Vereinheitlichung von „Afrika“. So können wir z.B. nur über Kisii in Kenia sprechen, ein kleiner Teil Kenias und Kenia als ein kleiner Teil von Ostafrika und Ostafrika als eine von mehreren Regionen in Afrika. Das ist nämlich ein weitverbreitetes Problem bei uns in Deutschland, aber bestimmt auch in anderen Ländern,  dass man dazu tendiert, oftmals auch einfach aus Unwissen, über Afrika fast schon als Land zu sprechen und die riesen Diversität von über 50 Ländern und weit mehr Kulturen abzuerkennen. So hat zum Beispiel Kenia und Tansania zusammem schon über 130 verschiedene Stämme, die sich alle voneinander unterscheiden. So nervt es uns doch auch in Deutschland, wenn auf einmal z.B. Bayern für ganz Deutschland stehen soll, oder wir für Taten in Großbritannien verantwortlich gemacht werden,  weil wir ja „nur“ Europa sind.
Zudem haben wir zwei Ausflüge übernommen, einmal nach Bagamoyo, die ehemalige von den deutschen Siedlern festgelegte Hauptstadt Tansanias, die auch eine Hochburg des Sklavenhandels war, und zweitens in die Rosa Luxemburg Stiftung, eine Stiftung aus Deutschland, die eng an „DIE LINKE“ gebunden ist, wo wir viel über politische Arbeit aus Deutschland in Ostafrika (Uganda, Kenia, Tansania, Ruanda und Burundi) erfahren konnten. Solche Stiftungen gibt es von jeder der großen Parteien in Deutschland,  die im Ausland aber viel enger kooperieren, als sie es in Deutschland machen,  weswegen auch der Leiter der Konrad Adenauer Stiftung (CDU) in DAR beim Ausflug anwesend war.
Also wir ihr bestimmt schon bemerkt habt, hat uns das Seminar nochmals viele neue Denkanstöße gegeben,  bzw. Themen die wir auch so schon oftmals diskutiert haben weiter vertieft. Ich denke genau deswegen hat es sich auch wirklich gelohnt daran teilzunehmen.
Nach dem Seminar ging es dann nach Sansibar, aber darüber berichten wir dann demnächst nochmal.  Bilder werden hoffentlich wie immer nachträglich noch angefügt.

Around three weeks ago we started our twenty five hour long bus journey from rainy Kisii to the warm area around Dar Es Salaam. The main reason of our journey was our participation in a seminar dealing with volunteer and NGO work, organized by an organization that takes part in the German weltwärts programm, a programm supported by the German ministry of development and economic cooperation, which sends German students between 18 and 28 to countries belonging to the global south. The volunteers mostly work in social projects such as schools, kindergardens, nurseries or environmental organisations.
Soon after we arrived we met the other 14 volunteers, both from Kenya and Tanzania. All in all the seminar was the perfect opportunity for us all to share our experiences, questions and struggles, but also to look deeper into controversial topics such as the substainability of such a programm, NGO work in general and to draw connections to colonialism and clichés such as naming Africa as one country and therefore generalizing the diversity of this continent. Thankfully, we were also able to see parts of Dar Es Salaam during two trips, one to Bagamoyo, the former German capital during times of colonialism and to two german political institutions, supported by the party „Die Linke“ and the „CDU“. Both of them presented their work in East Africa such as the support of democratic activities. While the parties in german politics are quite different they work closely together here.
We are both more than glad we were able to join as the seminar and the entire week helped us to see things from a different perspective as well as meeting like minded people and sharing lots of late night talks outside. All in all, a really beautiful week.

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